Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Die Vulva der Präsidentin und der Geldeintreiber

Blumen für die Vulva der Präsidentin Lisa Berg.
Blumen für die Vulva der Präsidentin Lisa Berg.

Die Vulva als Symbol unumschränkter Macht? Nun reden sogar Kirchentage über dieses Thema und lassen Mädchen ihre Vulven malen. Die Kraft weiblicher Sexualität mag zu Unrecht über Jahrtausende unter der Herrschaft der Penisse verborgen geblieben sein. Wenn jetzt die Zeit zur Befreiung gekommen ist, begrüße ich diese Veränderung grundsätzlich. Mögen es die Frauen besser machen als die Männer. Aber sind die Vorgänge in Pirmasens wirklich eine Blaupause für die zukünftige Weltordnung?

Pfarrer Theophil Meisterberg und Dr.Thomas Busenberger alias Hunde-Tommy sind am frühen Freitagnachmittag lallend betrunken. Nur unter Mühen erheben sich die Männer sich von der Streuobstwiese. Dennoch hörte ich aus den taumelnden Worten eine Bitte heraus. Sie baten mich, den Fetthans die Reportage über die tragischen Ereignisse um das Schicksal des unglückseligen Vollzugsbeamten zu übernehmen. Eigentlich sollte Theophil dieses Ereignis eigenhändig dokumentieren. Schließlich ist er mitverantwortlich. Aber so besoffen wie der Pfarrer nun mal ist, wird er diese Aufgabe wohl kaum bewältigen. Also sage ich zu.

Die Pirmasenser Kolonie interessiert mich aus allgemeiner Neugier und aus persönlicher Sympathie zu einzelnen Mitgliedern. Allerdings ist mein Misstrauen gegen gesellschaftliche Veränderungen zu groß, als dass ich auf jeden anfahrenden Zug aufspringen wollte. Als Bestatter zerteile ich die Welt nicht in Gut und Böse. Denn am Ende sind sind sie alle gleich.

Aber ich sehe auch die Spanne zwischen Geburt und den Tod. Darin liegt natürlich immer Veränderung. Vom Ende her betrachtet hat nichts in dieser Welt einen dauerhaften Bestand. Selbst Gott, Glaube und Religion sind diesem ständigen Wandel unterworfen. Auch die sind nichts anderes menschliche Begriffe. Die Begriffe wiederum drücken letztlich nur das aus, was Menschen brauchen oder zu brauchen meinen. Verschwinden die Menschen, verschwinden auch die vermeintlich ewigen Dinge. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen treibt mich die Neugier. Was geschieht in diesen Lauben am Rande von Pirmasens?

Ein Freitag in Pirmasens

Theophil und Hunde-Tommy dösen im Schatten des Pflaumenbaumes vor sich hin. An einem etwas abgerückten Stamm hat sich der Scharfschütze niedergelassen. Obwohl mir dieser Mann nur von Hörensagen bekannt ist, erkenne ich ihn sofort. Die schwarze Pistole verrät den Söldner, der nahezu 900 Menschen erschossen haben soll. Er sieht kurz zu mir hoch. Aber der Scharfschütze sagt nichts. Als er in eine andere Richtung schaut, folge ich seinem Blick. Wo der Soldat hinschaut, liegt ein Mountainbike scheinbar unachtsam hingeworfen im Gras. Über den schmalen Pfad daneben nähert sich eine Frau.

Du bist der Fetthans Pirmasens?“ Die Frau fragt, fährt aber unvermittelt fort, ohne meine Antwort abzuwarten: „Theophil hat dich angekündigt. Setz dich da hin. Nimm dir vorher ein Bier.“ Ich antworte: „Nein, danke. Ich mag morgens keinen Alkohol.“ Sie entgegnet ungerührt: „Dann musst du eben Leitungswasser trinken.“

Die präsidiale Vulva der Lisa Berg

Ich setzte mich ihr gegenüber auf die Wiese. Dabei rutscht der kurze Lederrock fast bis zur Hüfte. Die Frau spreizt leicht die angezogenen Knie und entblößt ihre nackte Vulva. Ob dies ein Missgeschick war? Oder ob die Frau absichtlich ihre Nacktheit darbietet? Das vermag ich nicht zu unterscheiden. Wie auch immer. Ich schaue unwillkürlich in ihren Schritt. Was sie offensichtlich bemerkt. Dann sieht sie an sich herunter und fragt mit breitem Grinsen: „Gefällt dir meine Pussy?“

Ich zögere verlegen mit der Antwort. Weil mich ihr aggressiver Exhibitionismus überrascht und verstört. Sie lacht schadenfroh. Geradeso, als hätte sie mich einer fleischfressenden Blüte gleich in ihre Falle gelockt. Nach dem sie meine Triebhaftigkeit bloßgestellt hat, geht sie nun daran, ihre Beute genüsslich zu verdauen. Daher besteht sie auf der Antwort: „Sprich, Fetthans! Gefällt sie dir?“ So bedrängt gebe ich ihrem Verlangen nach: „Ja, sie sieht gut aus!“ Unterdessen streichelt sie mit ihren Fingerspitzen über ihre Schamlippen.

Dennoch wende ich mich von ihr ab. Lieber wende ich mich dem Beamten zu. Der Gegenstand meiner heutigen Aufgabe sitzt mittlerweile seit am Birnbaum gefesselt in seiner eigenen Scheiße. Der breiige Kot läuft aus den Hosenbeinen. Weil offensichtlich niemand daran dachte, dass der Mann vielleicht zur Toilette müsste. Folglich hat er sich eingekotet und eingepisst.

„Den machen wir jetzt sauber“, befiehlt die Frau drohend. Sie erhebt sich, streift das Leder herunter. Dann klatscht mit flachen Händen auffordernd auf ihre Hinterbacken: „Ich bin übrigens die Lisa Berg.“ Die Präsidenten streckt die Hand zur Begrüßung aus. Die ich jedoch nur vorsichtig berühre. Sie ordnet an: „Scharfschütze! Auf geht’s! Wir holen jetzt den Schlauchwagen und den Hochdruckreiniger aus dem Haus.“

Der Beamte kotet ein

Der Scharfschütze verlegt zuerst ein Verlängerungskabel bis zur Steckdose seiner Hütte. Er schraubt den Wasserschlauch an den Hahn. Schließlich meldet der Söldner pflichtgemäß: „Fertig!“ Ein richtiger Soldat ist der Scharfschütze aber nicht. Seine servile, linkische und unterwürfige Art entbehrt jeder Aufrichtigkeit. Die soldatischen Tugenden von Ehre und Mut gehen ihm vollständig ab. Es ist spürbar, dass er hinter seiner wulstigen Stirn anders denkt als er vorgibt. Niemand ist vor seinen Hinterhalten sicher.

Er stellt sich hinter den Gefangenen. Er packt die Handfessel und zieht die Arme des Geschundenen in einem Ruck nach oben. „Arsch hoch, los!“ Der Beamte scharrt hilflos mit den Füßen nach Halt suchend im Gras. Verzerrt vor Schmerzen ist das Gesicht, weil der Scharfschütze die Schultergelenke überdehnt.

Jetzt steht der Beamte am rauen Stamm des Birnbaums. Dessen unreife Früchte stoßen an den Schädel des Gefangenen. Innigst auf Befreiung hoffend ging der Gefangene in diesen Sekunden einer noch größeren Pein entgegen. Dessen war ich mir sicher, als ich in das beredte Gesicht der Präsidentin sah.

Lisa Berg ist eine groß gewachsene, kräftige Frau von vielleicht 50 Jahren. Ihre Hüften sind breit und ihre Arme kräftig. Sie baut sich nun mächtig vor dem Gefangenen auf. Dabei überragt sie den Beamten mindestens um einen Kopf. Mit dem Ausdruck fordernder Häme blickt die Frau nach unten in das von Insektenstichen verquollene Gesicht des stinkenden Mannes. „Zieh ihn aus!“ Der schnarrende Befehl Lisa Bergs verlangt nach den kompromisslosen Diensten des Scharfschützen.

Der scharfe Schnitt in den Schritt

Der Soldat trennt mit dem Messer die Naht der Hemdsärmel bis zum Kragen auf. In dieser Weise entfernt das verschwitzte Kleidungsstück. Dann fährt er mit der Klinge in den Hosenbund des Gepeinigten. Die Klinge zerschneidet den Gürtel. Die Spitze zieht die Jeans mitsamt der Unterhose herunter. Die Schuhe noch, und der Mann ist splitternackt. „Pfui, ist der verschissen! Der Dreck ist so dick eingetrocknet. Darunter ich sehe das kleine Pimmelchen gar nicht mehr. Aber das wird sich gleich ändern. Oder hast du gar keins?“

Während der Scharfschütze die stinkenden Kleider und Schuhe des Unglücksmenschen mit Hilfe der Messerspitze aufhebt, in den blauen Plastiksack fallen lässt und zum Müllcontainer trägt, greift Lisa Berg zu einer Flasche mit scharfem Reiniger. Es ist eine Chemikalie, mit der Mechatroniker gewöhnlich einbrannten Bremsstaub von den Felgen alter Autos entfernen.

Die Präsidentin sprüht zuerst die Genitalien des Gefesselten ein. Es folgen der Hintern, der Oberkörper und schließlich das Gesicht. Der scharfe Reiniger brennt in den eitrigen Insektenbissen. Die Augen lässt die Flüssigkeit für kurze Zeit erblinden. Aber die Chemie erfüllt zuverlässig ihre Aufgabe. Gelöster Kot läuft in braunen Rinnsalen die Innenschenkel entlang bis zu den Füßen hinab. „Das war nur der Vorwaschgang. Das Beste kommt noch“, freut sich Lisa Berg.

Spaß und Vergnügen am Hochdruckreiniger

Die Sprühpistole des Hochdruckreinigers wird in Lisas Händen zum Sturmgewehr. Präzise richtet die die Düse auf Penis und Hoden. Einen Moment lang tariert sie das Werkzeug genau aus. Als sie ihres Zieles sicher ist, drückt sie ab.

Aus nächster Nähe trifft der scharfe Wasserstrahl die Männlichkeit. Der Getroffene schreit vor Schmerzen panisch auf. Aus einem Reflex heraus kreuzt er die Beine schützend vor seinem Geschlechtsteil. Der Versuch scheitert so kläglich wie die ganze, schäbige Existenz Beamten. Lisa lenkt den Strahl an die Innenseite der Oberschenkel. Mit der Eleganz einer Virtuosin dreht sie den Sprühkopf um. Jetzt trifft der schneidende Strahl von unten die Penisspitze.

Ein majestätischer Phallus unterm Wasserstrahl

Enormer Wasserdruck presst das Organ gegen den Unterbauch. Derart gequetscht zeigt der Penis nunmehr steil nach oben. Der Phallus sieht erigiert aus. Aber der Schein trügt. Nur die Gewalt des Kärchers verleiht dem Penis seine majestätische Form.

Das Schreien und Stöhnen des Geldeintreibers ruft Hunde-Tommy und Theophil in die Gegenwart zurück. Die Männer sitzen nun aufrecht auf der Wiese. Beide trinken jedoch ungerührt weiter ihr Bier. Beide beobachten das Treiben der Präsidentin sichtlich erheitert. Aufmerksam folgen sie der Bewegung, als Lisa mit dem Strahl über die Leiste und durch die Arschspalte des Beamten fährt. Die Reinigung des nackten Mannes dauert ungefähr zehn Minuten. Er muss diese Zeit als eine Ewigkeit empfunden haben. Bis ihn Lisa von seiner Qual erlöst. „Du bist jetzt von allem Schmutz gereinigt. Setz dich wieder hin“, sagt sie zu dem Gefesselten.

In diesem Augenblick beginnt das neue Leben des ehemaligen städtischen Vollstreckungsbeamten. Wiedergeburt unter Schmerzen, Lust aus Leid, Auferstehungsfest: Der Gefesselte gleitet am Stamm des Birnbaums hinab aufs Wurzelwerk. Er lächelt verklärt und sieht mit diamantenem Glanz in den Augen zum den Umstehenden. Die Herrscherin der Pirmasenser Kolonie ist für ihn zugleich Peinigerin und Erlöserin.

Taufe unter der Bierdusche

Der Beamte hat nun das Tal des Todes durchschritten. Jetzt ist er endlich angekommen. Sein Schicksal ist von jetzt an die Kolonie. Aber nicht die ganze Kolonie. Denn er wird ausschließlich Lisa Berg, ihrer Ehefrau Saskia dienen. Im Haupthaus, der fürstlichen Residenz der Präsidentin und ihrer Gattin, bezieht er eine Zelle im Keller. Er wird stolz die Ketten seiner Herrinnen tragen.

Pfarrer Theophil Meisterberg waltet seines Amtes. Er tauft den noch immer am Stamm des Birnbaum hängenden Mann. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes erhält der Beamte den Namen Franziskus. Statt Wasser verwendet der Pfarrer eine Flasche Parkbräu. Nach der Taufe singt die Präsidentin im Lederkleid eine Karaoke. Es ist Andrea Bergs Schlager „Du hast mich 1000 mal belogen“. Der nackte Franziskus singt mit. Helene Fischer, die Göttin seines alten, nunmehr Lebens, vergisst er für immer.

Jubel für die Präsidentin

Zur Feier der Taufe strömen die Kolonistinnen aus allen Hütten rund um Pirmasens herbei. Alle hoffen, einen Blick auf die mächtige Vulva werfen zu dürfen. Kinder, Männer, Alte und Junge stimmen in die Hymne mit ein: „Du hast mich 1000 mal belogen.“ Saskia, die dunkelhaarige Schönheit, tanzt in einem langen, schwarzen Gewand zu den Klängen der Sommernacht.

Das Lied klingt aus. Nach dem der letzte Akkord verklingt, fragt Lederfrau Lisa übers Mikrofon: „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Menge skandiert: „Saskia, Saskia, Saskia!“ Ein Junge tritt auf die Bühne, Saskia beugt sich zu ihm herab. Der Junge krönt die Schöne. Die tritt mit der goldenen Krone den magischen Spiegel. Lisa stimmt die Hymne ein weiteres Mal an: „Du hast mich 1000 mal belogen.“

Ein Junge fragt: „Warum habe ich keine Vulva?“

Zum Höhepunkt der Feier tritt Lisa Berg ins Licht und rafft den Lederrock. Die präsidiale Vulva wird für alle sichtbar. „Saskia ist schön. Aber wer hat die schönste Pussy?“ Die Menge skandiert begeistert: „Lisa, Lisa, Lisa, Lisa, Lisa, Lisa!“ Die gekrönte Schönheit Saskia kniet nieder und küsst das wunderbare Geschlechtsteil der Präsidentin. Nicht enden wollender Applaus begleitet diesen Akt der Unterwerfung unter die mächtigste Vulva von Pirmasens.

Der Junge, der eben Krone aufs Haupt der Schönen setzte, steht neben mir und fragt seinen Papa: „Warum habe ich keine so tolle Vulva wie die Präsidentin?“ Der Vater erklärt ihm, dass er unabänderlich zum Mann geboren ist. „Dann kann ich also keine Präsidentin werden?“ Der Vater antwortet seinem Kind: „Nein, so ein hohes Amt ist nichts für Jungen. Nur wer eine Vulva besitzt, darf auch Karriere machen.“

Bericht:  Fetthans Pirmasens
Foto: Theophil Meisterberg

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