Franziskus: Warum er sterben soll

Wird Franziskus sein geliebtes Pirmasens je wiedersehen?
Wird Franziskus sein geliebtes Pirmasens je wiedersehen?

Seiner überdrüssig geworden, wollen Saskia und Lisa Berg ihren Sklaven Franziskus so schnell wie möglich los werden. Daher haben die beiden beschlossen, den ehemaligen Vollstreckungsbeamten im Schwefelsäurebad aufzulösen. Nur Pfarrer Theophil Meisterberg stellt sich diesen Absichten entgegen. Der Mann aus der geistlichen Hütte fordert einen fairen Prozess für den früheren Stadtbeamten. Ein ordentliches Urteil soll über Franziskus’ Schicksal entscheiden, meint Theophil.

Fetthans Pirmasens wird Pressesprecher

Ach! Bevor ich das vergesse, will ich noch etwas über mich selbst berichten. Solange muss die Affäre Franziskus warten. Denn das hie ist doch recht großartig. Ich bin nicht mehr bloß Bestatter und Totengräber von Beruf. Nunmehr bin ich auch noch Berichterstatter. Genauer gesagt: Pressesprecher der Pirmasenser Kolonie. Ist das nicht schön? Sie haben mich ernannt. Obwohl ich diesen christlichen Kommunisten anfangs äußerst skeptisch begegnete, habe ich jetzt doch eine Hütte in der Kolonie bezogen.

Das zwar kleine, aber freundlich eingerichtete Holzhäuschen besitzt eine angebaute Toilette, eine schmale Dusche, ein Schlafzimmer und eine Wohnküche mit großem Holzofen. Der Zufahrtsstraße und der Stadt abgewandt, steht die Hütte fein eingerahmt und angenehm beschützt zwischen hohen Walnuss- und Kastanienbäumen.

Trotz der Bäume ist das Häuschen vom Morgen bis zum Abend immer an irgend einer Ecke von der wärmenden Sonne angeschaut. Das Licht ist überaus hilfreich. Denn der Fixstern erleuchtet nicht nur den Tag, sondern auch den bisweilen trübsinnigen Geist. Seine Strahlen tragen Wahrheit und Erkenntnis klar und deutlich in sich.

Eine Wahrheit ist ohne jeden Zweifeln folgende: Die christlichen Kommunisten kommen den Bedürfnissen des menschlichen Wesens am nächsten. Und sie sind vor allem dieses: Von Gott gewollt und auserwählt. Das ist die Botschaft eines jeden Sonnenstrahls, der auf die Erde trifft. Zur Vollendung dieser Schöpfungsordnung sandte Gott ihren Sohn Jesus Christus in die Welt. Deswegen ist die Pirmasenser Kolonie Kirche und Kirche ist Pirmasenser Kolonie.

Gott sortiert die Verworfenen aus

Pastor und Zweiter Vorsitzender Theophil Meisterberg ist zu sehr mit seinen Aufgaben beschäftigt, als dass er noch Zeit zum Verfassen von Blogbeiträgen übrig hätte. Denn die Kolonie wächst beständig. Seit Gott in Pirmasens auf dem Berg Horeb erschienen ist, strömen die Menschen von überall herbei. Weil sie Bürger des irdischen Reiches Gottes werden wollen. Was der Vatikan seit zwei Jahrtausenden immer sein wollte, wurde nun in Form der Pirmasenser Kolonie Wirklichkeit. Das spricht sich herum.

Doch nicht alle sind zur Kolonie auserwählt. Weder in Pirmasens noch an irgendeinem anderen ihrer vielen Plätze in Europa und der Welt darf jede über die Schwelle der Erlösung steigen. Wir als seine Stellvertreterinnen helfen Gott bei der Auslese. Dafür braucht Theophil natürlich all seine Kräfte. Daher trug er mir, dem alten Pirmasenser Bestatter, die ehrenwerte Profession des Pressesprechers an.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Franziskus? Die Geschichte dieser armen Männerseele ist leicht zu erzählen. Es ist das tragische Schicksal eines Menschen, der ahnungslos zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen ist. Franziskus tat, was ihm seines Berufes wegen oblag. Er wollte als braver Abteilungsleiter des Stadtsteueramtes die unbezahlte Hundesteuer einkassieren.

Dass er an diesem schönen Sommertag seinen Fuß auf verbotenes Terrain setzen und dem Scharfschützen vor die gezückte Pistole laufen würde, konnte er nicht ahnen. Noch weniger, dass man ihn gefangen nehmen würde. Doch als unterwürfige Beamtenseele versuchte er sich in der Gefangenschaft anzupassen. Obendrein lebte er seine masochistischen Neigungen aus. Doch die Gnade, den Herrinnen als Sexsklave dienen zu dürfen, ist nun auch verwirkt.

An diesem regnerischen Herbsttag sollte die Zeit des Opportunisten zu Ende gehen. Der Vereinsvorstand trat im Sitzungszimmer der kürzlich neu errichteten geistlichen Hütte zusammen. Lisa und Saskia Berg, Hunde-Tommy, Lukas der Prophet, Theophil Meisterberg, der Scharfschütze und ich waren um den großen Tisch versammelt.

Die Vorsitzende fürchtet den Verrat

Ich will nicht lange drumherum reden. Franziskus muss die Kolonie so schnell wie möglich verlassen. Franziskus muss weg. Denn er weiß von unseren Waffen. Er kennt inzwischen unsere Pläne. Zudem verweigert seit zwei Tagen den Sklavendienst“, sagte Lisa. „Er verweigert den Dienst?“ fragte Theophil und sah dabei  sehnsüchtig zu den Gottbier-Flaschen auf dem Fenstersims hinüber. Saskia antwortete: „Er sollte mich am Morgen noch etwas verwöhnen. Erst mühte er sich wie gewohnt. Aber plötzlich hörte er auf, weil er nicht mehr mochte.“

Franziskus. So heißt der Feind Gottes

Das ist kein todeswürdiges Verbrechen“, sagte Theophil in fester Überzeugung. Lisa erwiderte: „Theophil, du weiß es genau. Das Gericht wird ihn ausschließen müssen. Dann geht Franziskus durchs große Tor hinaus und kehrt als Manfred Kupfer mit einer Hundertschaft Polizisten zurück.  Wir hätten den offenen Krieg, den wir jetzt noch nicht wollen. Franziskus ist als Feind gekommen. Als Mitläufer der Gottlosen und als Vollstrecker ihrer bürgerlichen Mitte. Und genau das ist er geblieben: ein Verbrecher. Deswegen müssen wir ihn im Namen Gottes richten.“

Der Scharfschütze, ein Partisan aus Pirmasens

Der Scharfschütze rutschte unruhig auf dem harten Holzstuhl hin und her. Er spielte nervös mit dem Zielfernrohr seiner Waffe. Er schaute hindurch,  bis tief in Theophils Auge, ergriff schließlich das Wort, zu dem es ihn unabweisbar drängte: „Wir haben eine gut bewaffnete und ausgebildete Partisanen-Truppe. Wir könnten dem Angriff einer Hundertschaft und dem Sonderkommando widerstehen. Vielleicht sogar einer zweiten oder dritten Attacke. Aber ihren militärischen Polizeitruppen können wir nicht standhalten.  Die werden uns einfach zusammenschießen. Ich hätte den Vollziehungsbeamten damals gleich erschießen sollen. Ich habe einen Fehler gemacht, den ich jetzt sehr bereue. Wir müssen den Franziskus auflösen. Das Bad ist schon bereit.“

Theophil schwieg. Von der bevorstehenden Niederlage tief getroffen trieb ihn der Wunsch nach Erleichterung zum Fenstersims, wo er nun doch zum zum Gottbier griff: „Zisch!“. Lisa Berg bat noch Hunde-Tommy, Lukas der Prophet und das Genie um ihre Stellungnahme. Auch diese drei Männer stimmten – nun überzeugt von Lisas Argumenten – für Franziskus‘ Tod im Säurebad.

Das finale Bad in der Säure

So beschloss der Vorstand des Vereins für Europäische Gemütlichkeit am Freitag, 20.Oktober 2017, bei einer Gegenstimme, der Stimme Theophils, das saure Ende des städtischen Vollziehungsbeamten Manfred Kupfer alias Sklave Franziskus. Er wird bald in Schwefelsäure baden.

Nur eines bat sich Theophil vor dem Ende der Sitzung doch noch aus. Bevor der Beamte in das Becken mit 200 Liter konzentrierter Säure abtaucht, wird Theophil ein Hemd verbrennen. Nämlich das Hemd, das Franziskus bei seiner Ankunft in der Pirmasenser Kolonie getragen hat. Theologen lieben Rituale. Unser Pfarrer macht da keine Ausnahme.

Kontrolle der Kommunikation

Bis dahin reicht mein Bericht aus Pirmasens für heute, den ich als der Wahrheit  verpflichteter Journalist verfasse. Doch das hier merke ich der Vollständigkeit halber noch an: Das Genie aus Kaiserslautern ist Ingenieur von Beruf. Seine Aufgabe ist die Kontrolle der Internetverbindungen und Serverfarmen im Sinne der Pirmasenser Kolonie und des Vereins für Europäische Gemütlichkeit. Wie das Genie aus Kaiserslautern vorgeht, welche Strategie die Kolonisten in die Tat umsetzen, werde ich an gleicher Stelle schon bald berichten.

Bericht: Fetthans Pirmasens

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