Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Freiheit, Liebe und Ekstase

Liebe ist Freiheit in Ekstase. Das glaubt Claude Otisse.
Liebe ist Freiheit in Ekstase. Das glaubt Claude Otisse.

Worte, Sätze, Gedanken vergehen in Erwartung nahender Ekstase. In Freiheit hämmernder Puls unter heißem Schweiß. Grün, gelb blau und rot – Augenflimmern. Im Rausch der Farben ersehne ich die Herrin der Glückseligkeit. Ich suche die Regentin meines Leibes und meines Geistes. Ihre hohe Zeit ist meine Bestimmung. Sie ist meine Tugend, meine Pflicht. Als ihr treuer Diener gebe ich alles hin. Ich bin der Mann, sie ist die Frau, die Königin, die nimmt, was ihr zu eigen ist. Mitten im Fieber dieses heiligen Augenblicks aus Wollust und Liebe.

Erst die Hingabe macht den Mann zum Mann, die Frau zur Frau, den Mensch zum Menschen. Die Liebe erfüllt die Sinne. Die Liebe öffnet Geist und Körper hin zum Du. So wird das Miteinander zu einem neuen Ganzen. Das Ganze ist viel mehr als seine Teile. Es ist ein neuer Klang. Eine neue Sinfonie wächst zum opulenten Liebeswerk heran. Nur die Liebe dirigiert das Orchester aus Erotik, Freundschaft und Vernunft.

Aus der Vernunft erwächst die Freiheit der Ekstase

Die Vernunft schenkt die Freiheit. Weil sie das Du erkennt. Weil sie das Du sein lässt wie das Du sein will. Was braucht die Liebe zweier Menschen mehr als dies, um in Freiheit um zu bestehen?

Jeder Liebesschwur, jedes Treueversprechen? Was macht das? Versprechen legen fest. Versprechen verändern. Ein Versprechen raubt der Liebe das Geschenk der Freiheit. Ein Versprechen schlägt die Liebe in schweren Stein und versinkt in die Tiefe. Der Schwur will den einen Augenblick der Verschmelzung in Ekstase für immer festhalten, das Versprechen aller Lebenszeit will die Liebe für immer haben und zerstört zugleich ihr Sein.

Freier Wille in Ekstase

Der freie Wille ist das Gesetz ihres Handelns. Darf ich bestimmen, mit was und wem sie ihre Zeit verbringt, nur weil ich ihr Liebender bin? Vielleicht mag sie Bücher schreiben, Bilder malen, Skulpturen hauen und Konzerte geben. Vielleicht mag sie sich dem Sport verschreiben, ein Unternehmen gründen oder ins Parlament einziehen?

Nein, ich darf sie nicht hindern. Denn sie soll leben. Frei und stark. Schließlich ist ihre Freiheit meine Freiheit. Ihre Würde ist meine Würde. Sie zu binden wäre ihr Tod. Denn ich würde sie als bloßes Werkzeug zur Befriedigung meiner Bedürfnisse gebrauchen. Nein. Ein Mörder will ich nicht sein und niemals werden.

So kennt die freie, durch Vernunft geleitete Liebe die wahre Hingabe. Sie braucht weder Ehe noch Scheidung. Weil sie nicht besitzen will, nicht herrschen.

Dem aus Zwang bestehende bürgerlichen Besitz bleibt nur der Treueeid. Aber der trägt entmenscht die Mühlsteine eines Judas. Keinem Menschen ist es erlaubt, einen anderen Menschen zu besitzen. Weil nur der Mensch selbst Besitzer seines eigenen Leibes ist.Nur dem freien Menschen kommt die Entscheidung zu. Darüber wie ein Miteinander sein soll.

Meine Freiheit an der Freiheit des Gegenübers. Dennoch bin ich Gleicher unter Gleichen. Vereint in der Idee der Freiheit. Eine Idee, die ich gerne mit den Fremden teile. Mit den Zugewanderten, den Schutzsuchenden und aus Not, Krieg, Armut und Unterdrückung. Diese Freiheit ist für alle da. Sie ein universales Prinzip, das weder Ländergrenzen noch Lebensformen unterscheidet. Denn der Freiheit sind Gerechtigkeit und Frieden untrennbar eingeschrieben.

Theophil, der Pfarrer und ewige Lügner

Dies ist das mich leitende Prinzip, das der hausierende christliche Theologe Theophil nicht anerkennen will. Doch jede Religion, die sich über Autonomie und Freiheit erhebt, ist Tyrannei des einen über den anderen. Sie verleugnet im selben Atemzug den von ihr behaupteten Gott der Liebe und Vergebung. So betrügt er mich und andere. Er, der er sich in den Mantel eines Bettlers kleidet und in Wahrheit doch ein Bürger bleibt.

Der Pfarrer und Theologe Theophil Meister mag lange Nächte in den Höhlen schlafen. Doch nun erweist er sich als Bürger. Genau als jener also, der zu sein er mich beschuldigt. Nur die Lüge feiert mit ihm die