Hashtag MeToo: Fetthans blitzt ab

hashtag MeToo: Ester Berlin wehrt sich gegen die sexuellen Übergriffe von Fetthans Pirmasens
Ester Berlin fühlt sich von Fetthans Pirmasens sexuell bedrängt und weist ihn zurück.

Beziehungsweise abgelehnt. Ebenfalls zurückgewiesen. Ebenso durchgekaut und ausgespuckt. Dementsprechend fein zerkleinert. Dennoch lebend. Wenngleich erniedrigt bis zum Fliesenboden. Hashtag MeToo: Ester hat nein gesagt. Nein ohne jedes Ja. Obwohl die Hamburger am Bahnhof in Pirmasens so wunderbar schmecken. Wunderbar in der Wunderbar. Ich liebe sie.

Fetthans, wir müssen reden. Erstens: Ich werde nicht deine Geliebte sein. Zweitens: Hör auf, mir nachzustellen. Also. Ab sofort keine privaten Kurznachrichten und Emails mehr. Drittens: Meine Vulva geht dich gar nichts an. Viertens: Keine privaten Fotos mehr!“

Ich will doch nichts böses

Also das war der Grund. Deshalb traf mich Ester an diesem verfluchten Samstagabend. Nur, um mir diese fürchterlichen Sätze ins Gesicht zu schleudern. Langsam kamen die Leute. Das Restaurant füllte sich. Aber Ester war das offensichtlich egal. Ester scherte sich nicht um die Leute und deren spitze Ohren. Sie sprach laut und deutlich mit fester Stimme. Dabei schien es mir, als verspürte sie nicht die geringste Erregung. Trotzdem sie entschlossen wirkte und dabei ihren Hamburger genoss, wagte ich einen Einwand.

Aber ich will dir doch nichts böses, Ester. Du bist eine Frau, ich bin einen Mann und habe mich in dich verliebt. Was ist so schlimm daran?“

Eine wunderbare Mahlzeit am Bahnhof

Dann dauerte es eine ganze Weile, bis Ester von den Pommes frites abließ und mich wortlos ansah. Langsam legte sie in aller Sorgfalt Messer und Gabel beiseite. Während Ester das Besteck auf der Serviette im genauen Winkel ausrichtete, sah ich die Bewegung ihrer Augen. Also doch. Immerhin, sie dachte nach. Dann konnte ich ihr nicht gleichgültig sein, hoffte ich. Doch statt meinen Einwand zu beantworten, erhob sich Ester noch immer schweigend und ging zur Toilette. Ich sah ihr hinterher. Als sie zurückkam, konnte ich nicht anders. Ich nahm die Kamera hoch und drückte den Auslöser.

Ester hob die Hände und schaute entsetzt zur Seite. Entsprechend harsch fiel ihre Antwort auf meinen Einwand von vorhin aus. „Fetthans! Ja, ich bin eine Frau. Gerade deswegen lasse ich mich von dir nicht auf einen Sockel stellen. Auch nicht zur Göttin verklären. Du kannst mich nicht formen wie ein Kunstwerk. Denn der Sockel bedeutet nichts weiter, als dass ich deinen Männer-Vorstellungen entsprechen soll. Der Sockel ist eine geistige Vergewaltigung. Mit wem ich wann und wie Sex haben will, bestimme ich und niemand sonst.“

Ester: Ein Nein ohne jedes Ja

Danach schwieg Ester wieder und verzehrte die Reste ihres Hamburgers. Ester trank ihre Apfelsaftschorle aus der Flasche. Das Glas ließ sie unbenutzt daneben stehen. Als sie mit ihrer Mahlzeit zu Ende war, sagte sie: „Auch ob ich heute eine Frau liebe und morgen einen Mann, entscheide ich. Was macht das schon, ob Frau oder Mann? Egal ist es, Fetthans, egal. Jedenfalls für dich. Wir arbeiten und leben in der Pirmasenser Kolonie zusammen. Das muss dir reichen. Belästige mich nicht mehr. Mein Nein bedeutet ein Nein ohne jedes Ja.“

Hashtag MeToo: Ein kleines Foto noch

Hashtag MeToo. Das waren ihre Worte, bevor Ester ihre Tasche nahm und das Restaurant am Bahnhof verließ. Doch, einen Satz sagte sie noch im Gehen: „Dieses hier war das letzte private Foto. Wenn du die Kamera nochmal ungefragt auf mich richtest, sorge ich dafür, dass man sie dir wegnimmt.“

So saß ich nun da. Klein, geknickt und voller Angst trank ich noch einen Kaffee zum Trost. Der Platz mir gegenüber war leer, ich bleib alleine zurück. Ein Zug für in den Bahnhof ein und entließ seine Fahrgäste nach Pirmasens. Menschen mit Koffern und Rücksäcken hasten vorüber. Habe ich all die Jahre falsch gelebt? Nicht genug über hashtag MeToo nachgedacht?

Bericht: Fetthans
Digitales Bild: Fetthans

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