Interview mit Redakteur am See

Herr Daus, ein Redakteur aus Stuttgart, verarbeitet das Interview an einem See im Pfälzer Wald
Ein Redakteur arbeitet am Schöntalweiher in Ludwigswinkel. Dabei wird er von Ester Berlin beobachtet.

Sobald das Interview zu Ende ist, beginnt der Herr Redakteur sogleich an Ort und Stelle zu tippen. Freilich tut er dies ohne jeden Verzug. Denn er muss tun, was seine Berufung ihm streng gebietet. Genauso wie er es macht. Schnell und sofort, noch an Ort und Stelle, klappt er den Computer auf. Dann fliegen flink die Finger über die Tastatur. Weil seine Zeitung fertig werden muss.

Zuvor führte der Redakteur ein Interview mit mir. Jedoch nicht in Pirmasens. Auch nicht in der Kolonie. Weil ich Thea vor dem Medienrummel schützen will. Denn die trauernde Mutter der von Lars ermordeten Marie ist zu sehr in ihrem Leid gefangen, als dass sie überhaupt noch Rede und Antwort über ihre Befindlichkeit stehen könnte.

Ein wackerer Zeitungsmann

Aber dieser Redakteur schien mir doch auf angenehme Art seriös zu sein. Der Zeitungsmann Herr Daus aus Stuttgart meldete sich immerhin telefonisch und bat um einen Termin. Zwar diskutierte ich mit Lukas, der Prophet eine halbe Nacht und viele Gottbier-Flaschen lang. Doch dann entschlossen wir uns, mit diesem hier zu reden. Nachdem es meine Aufgabe als Pressesprecher ist, die Kolonie nach außen zu vertreten, bestellte ich Herrn Daus nach Ludwigswinkel an den Schöntalweiher.

Dort, in tiefer Abgeschiedenheit, wird es sehr gut möglich sein, in Ruhe und gänzlich ungestört über den Kindermörder Lars Schmied zu sprechen. Dabei begleitete mich unsere neue Kolonistin aus Berlin. Ester nutzte ganz nebenbei die Gelegenheit zum Bade. Denn der See lag still und lud sie freundlich ein. Sie liebt das seidige Wasser auf der Haut. Weil es ihr die wunderbarsten Komplimente macht. Sodann füllte Ester ihr grünes Krokodil mit Luft und begab sich in den Schöntalweiher.

Mann, ist die schnell“, sagte Herr Daus anerkennend und sah der schönen Schwimmerin staunend hinterher. Dennoch beließ es Herr Daus bei diesem einen Blick und lenkte seine ganze Konzentration auf den Fall Lars Schmied.

Interview: Fragen über Fragen

Im Grunde genommen kommt es auf die Fragen an. Hierdurch kommt er ans Ziel. Das weiß Herr Daus, der Redakteur. Denn jedes Fragen ist ein Suchen. Und jedes Suchen nimmt seine Richtung vom Gesuchten her, von dem er bereits eine Ahnung, irgendeine Intuition in sich trägt.

Herr Daus hatte im Geiste bereits ein Profil des Kindermörders Lars entworfen. Sowie jeder, der morgens nach seinem Wohnungsschlüssel sucht, ein Bild des Schlüssels im Kopf mit sich herumträgt. Sobald der Schlüssel vor den suchenden Augen erscheint – egal ob unter den Küchentisch oder in die Ritze des Sofas gefallen – vergleicht der Suchende das innere Bild des Gesuchten mit seiner Erscheinung. Dann heißt es freudig: „Ich hab’ ihn gefunden!“

Entsprechend fragte Herr Daus: „Wie ist ein Mensch beschaffen, der seine eigene Tochter erwürgt und ihre Leiche in den Eisweiher wirft?“

Der Versuch einer Antwort

Meine Antwort beschreibt alles, was ich bisher über Lars Schmied in Erfahrung bringen konnte. Wiewohl noch längst nicht alle in seinem Haus in Pirmasens gefundenen Dokumente gesichtet und ausgewertet sind. Doch darunter fanden sich einige für unsere Leute überraschende Dinge. Zum Beispiel führte Lars genaue Aufzeichnungen über die Streitigkeiten mit seiner Ehefrau Thea.

Der Dachdeckermeister plante den Mord an Frau und Kind nach Theas Umzug in die Pirmasenser Kolonie. Deswegen glauben wir, dass er sich noch immer in Pirmasens aufhält. Er will sein Werk zu Ende bringen.

Dann wollte Herr Daus wissen: „Wann werdet Ihr Lars ergreifen?“

„Bald, sehr bald“, gab ich dem Redakteur zur Antwort. Somit endete das Interview am Schöntalweiher bei Ludwigswinkel mit einem Versprechen. Ohne jedoch zu wissen, ob wir das Versprechen jemals einhalten können. Aber immerhin, wir haben die Feste Absicht, den flüchtigen Lars zu fangen.

Bericht: Fetthans
Digitales Bild: Fetthans

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