Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Wandern: Im Pfälzer Wald die Natur erträumen

Wandern: Blick vom Lindelskopf auf Ludwigswinkel.
Blick vom Lindelskopf auf Ludwigswinkel.

Wandern. Etwas in mir trieb mich einfach hinaus. So erging es mir im vergangenen Sommer. Mithin durchschritt in einem Fort die verschlungenen Pfade und Wege des Pfälzer Waldes. Es war mir zu Mute wie im Rausch. Trotzdem der Weg doch weit ist. Denn er führt von der Pirmasenser Kolonie bis zum Aussichtsfelsen namens Lindelskopf über dem Dörfchen Ludwigswinkel. Über meinen Gedanken vergaß ich die Entfernung und die Mühe, sie zu überwinden.

Erinnerungen unterm heißen Blätterdach

Erinnerungen blitzten im Takt der Schritte wie aus dem Nichts hervor. Darin tauchten Gesichter, Menschen und Stimmen aus dem Meer der Sonnenstrahlen auf. Sie mischten sich unterm Blätterdach von Eichen und Buchen unter die kühlen Schatten. Noch einmal begegnete mir der unglückliche Eisverkäufer. Jener arme, erfolgreiche Mann. Sowie mir seine letzten Worte noch in den Ohren klangen, so wusste ich noch immer den schönen Ast zu finden, wo seinen kunstvoll geflochtenen Galgenstrick anband.

Leberknödel nach dem Wandern

Wie schon vor allen Ewigkeiten schallt in warmen Schlagern der Gesang von Liebe und Schmerz über die wohl gefüllte Weinschorle. Am Pfälzer Waldhaus verweilen lachende Familien. Sie essen Leberknödel, Sauerkraut, Brot und Weißen Käse. Der Mensch bewegt sich zwischen Körper haben und Körper sein, schrieb einmal ein kluger Mann. Einen Körper haben, besitzen meint, die eigene Natur aus der Ferne zu befragen. Wer bin ich? Wie soll ich sein?

Ein mit der Natur vereinter Körper sein jedoch erlaubt dieser Ort den Menschen. All die vielen schweren Fragen dürfen hier verstummen. In diesen Stunden müssen sie leise sein. Die leichten Lieder lachen fröhlich mit dem klaren Pfalzwein, sie wiegen die Wandere im Wind der Freiheit. Trotzdem auch mir gerade danach wäre, denke ich an mein noch fernes Ziel.

Die erträumte Aussicht

Sodann ging ich weiter. Kein wenig angerührt, unberührt vom roten Stein. So kam ich nach vielen Serpentinen und Mäandern unten im kleinen Dorf an. Unbekannte feierten eine Hochzeit. Sie tranken schnelles Bier aus kleinen Flaschen. Sie lachten mit den Krähen, Schwalben und Schwänen. Sie tanzten ihren Walzer mitten im Paradies. Als ich Ludwigswinkel verließ und den Aufstieg zum Lindelskopf trotz der Müdigkeit noch wagte, hörten sie auf zu feiern und sangen ein Lied, dessen Text ich aus der Ferne nicht verstand.

Ist da oben auf dem Lindelskopf noch Natur? oder ist es schon der Himmel? Ich sehe nun die Aussicht ist, so wie ich sie mir erträumte.

Bericht: Theophil Meisterberg
Digitales Bild: Theophil Meisterberg

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