Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Das verlogene Geschwätz der schönen Rede

Alles nur Geschwätz? Pfarrer Theophil Meisterberg bezichtigt die Medien der Lüge.
Pfarrer Theophil Meisterberg bezichtigt die Medien der Lüge.

Geschwätz! Nichts als Geschwätz und leere Worte! In Schwingung versetzte Luft. Sinnlos bedrucktes Papier. Wohlklingende Sätze schlagen rhythmisch in die Tastatur. Ohne Inhalt, frei von jeder Botschaft. Jeder Hund sagt mehr mit seinem Gebell.

Wer auf den schwatzhaften Menschen hört, endet in dessen Gefangenschaft. Die Schwätzer ölen die Schlösser gut. Die Gitter schnappen schnell und leise. Noch ehe es die Zuhörer bemerken sitzen sie in der Falle. Und die erlaubt kein Entkommen.

Parasiten der Wahrheit

Sobald die Türen geschlossen sind, geht der Totentanz erst richtig los. Dann nämlich beansprucht der selbstverliebte Schwätzer das Beste nur für sich. Er nimmt nach Gutdünken die Mahlzeiten seiner Gefangenen ein. Ihnen bleibt nur die Verneigung vor ihrem Herrn und Meister. Nur noch durch seine Gnade dürfen ihre Augen sehen, ihre Ohren hören, ihr Gehirn denken, ihr Gedärm verdauen.

Der Geschwätzige bestimmt, was in den Sinnen ist, was von anderen gedacht werden darf. Er erklärt hohe Mauern mit Stacheldraht zum Horizont. Er sagt, die Gitter sind der Himmel und sein Gefängnis ist der wahre Ort der Freiheit. Der Schwätzer macht seine Zuhörer glauben, Wahrheit sei Lüge und Lüge sei Wahrheit.

Er behauptet, er und kein anderer besitzt den Schlüssel zur besseren Welt. Den Gefangenen gaukelt er die Illusion ihrer Freiheit vor. Denn diese Sinnestäuschung verschafft ihm unbegrenzte Macht. Schließlich ist das sein Ziel. Der Geschwätzige ist ein Parasit der Wahrheit.

Die Schwätzer sitzen in den Studios der Fernsehsender. Geschwätzig reden sie davon, dass Leistung sich wieder lohnen muss. Die Gefangenen der schönen Rede glauben, sie wären damit gemeint. In Wahrheit lohnt sich die Leistung der Gefangenen nur für die Geschwätzigen.

Glaubt den Geschwätzigen nicht! Wer seine Zeit in Betrieben verschleudert, wer für das Geschwätz der Schwätzer schwitzt, verschwendet sein Leben.

Otisse tränkt den Geist seiner Leser mit seinen Lügen. Der Journalist beraubt sie ihrer Wahrheiten und ihres Lebensgrundes. Er gaukelt ihnen vor, sie seien unfrei. Er drängt sie dazu, alles zu zerstören was ihnen bisher heilig war.

Die wahre Freiheit entscheidet sich

Doch wahre Freiheit verharrt niemals im Ungefähren. Sie überwindet den Zustand des Möglichen und entschließt sich. Die Entscheidung für einen geliebten Menschen ist Freiheit in Bindung, denn in jedem einzelnen Menschen lebt das ganze Universum. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen. Es ist gut, wenn Menschen zueinander stehen wie Gott zu den Menschen steht.

Nicht jede aus Verliebtheit hervorgehende Ehe führt ins Elend. Das Scheitern ist nicht notwendig und unvermeidlich, wie Otisse behauptet. Die Ehe widerspricht keineswegs der Vernunft. Im Gegenteil! Ein über Jahrzehnte gewachsenes Vertrauen eröffnet besonders in sexueller und geistiger Hinsicht jene Horizonte, die unverbindlich unverbundene Menschen wie Otisse niemals erblicken werden.

Dialog und Liebe, aber kein Geschwätz

Liebe und Vertrauen gedeihen auf einer Sprache, die Gefühle, Gedanken und Absichten offen und deutlich mitteilt. Nur in ihr findet sich das Gegenüber zum Dialog. Aber die Lüge nimmt jedem Austausch zwischen Menschen den Sinn. Ein leeres Gespräch, die leere, nichts sagende Rede überlässt das Gegenüber der Verzweiflung und verweigert die Anerkennung als Mensch.

Dennoch erkenne ich an, dass sich Menschen im Laufe ihres Lebens verändern können. Mit 50 sind andere Dinge wichtig als mit 30. Wenn die Kinder größer sind, gewinnen neue Aufgaben und Personen an Bedeutung. So wie beim Professor und meiner großen Jugendliebe Erika.

Der Professor änderte seinen Lebensentwurf, verliebte sich in eine andere Frau und ist nun mit ihr zusammen. Erika traf mich, und nun sind wir nach Jahrzehnten ein glückliches Paar. Die Eheleute regeln ihre gemeinsamen finanziellen und familiären Verpflichtungen in Anerkennung der Bedürfnisse des anderen.

Ich bin mit Erika in Liebe verbindlich verbunden. Darin leben wir unsere Freiheit. Otisses leere Rede fordert die Scheidung. Er will die Familie zerschlagen, das Verbindliche ins Tausendmögliche verwandeln.

Otisse ist ein eiskalter Aufseher im Gefängnis der Einsamkeit. Er schwätzt andere hinein. Dessen Gitter, Türen und Mauern verkauft er als Paradies. Wie kommt dieses geschwätzige Tier der Gattung Mensch nur auf die Idee, ich, Theophil Meisterberg, ehemals hausierender Christ und Theologe, könnte seine schale Rede nicht der Lüge überführen?

Was nimmt er sich heraus, dieser Claude Otisse? Der den Gottesdienst besucht, ohne einem Gott zu dienen? Otisse, de