Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Die Flut: Sie wächst, Sie steigt, Sie schwillt

Die Flut ist da. Hochwasser im Hornbach an der deutsch-französischen Grenze.
Die Flut ist da. Pfarrer Theophil Meisterberg will ihr mit Philosophie entkommen.

Die Flut ist da. Sie wächst, sie steigt, sie schwillt. Sie presst das Wasser durch die Deiche. Sie drückt es über die Mauern. Sie schiebt es unter die Fundamente. Folglich geht dieses Land jetzt unter. Das Land versinkt im brauen Schlamm. Denn die Plage quillt von unten.

Finster und schmierig steigt sie aus dem Erdreich empor. Worin sie sich versteckt, bis der Regen sie erweckt. Dort unten lauert die Flut seit Ewigkeiten. Dort wartet geduldig auf den großen Tag. Dann ist sie da. Die Stunde, die Minute, die Sekunde der Flut ist jetzt geschlagen. Wer jetzt nach Weisheit sucht, schaut zu spät in seine Bücher. Denn die Flut reißt jedes Wissen mit sich in den Untergrund. Selbst das mutigste Herz muss nun verzagen.

Theophil Meisterberg ist einer jener späten Leser. die es im vollen Angesicht der Flut noch wagen, die Philosophen zu befragen. Zu befragen danach, ob sie einen Rat wissen, was denn gegen die Flut zu tun sei. Ich finde ihn sitzend einem antiken Helden gleich, mit starrem Blick vor seinem Monitor.

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