Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Am Ende der Verbannung kommt das Gottbier

Dank Theophil Meisterberg und Gottbier erhalten sogar die Nutrias in Pirmasens Asyl
Dank Theophil Meisterberg erhalten Fremde freies Asyl. So wie das Nutria auf dem Foto.

Die Verbannung Theophil Meisterbergs ist endlich vorbei. Ich freue mich auf Theophil Meisterberg und will mit ihm Gottbier trinken. Genau wie alle anderen in der Pirmasenser Kolonie auch. Denn er hat uns die heiligen Kleider geschenkt und mit dem Mantel der Gerechtigkeit gewärmt. Er hat uns alle gelehrt, wie liebevoll die Gnade Gottes ist. und warum das Leben in der Pirmasenser Kolonie die größte Freiheit bedeutet.

Gnade: Theophil darf wieder Gottbier trinken

Pfarrer Theophil Meisterberg nicht nur frei und durfte die hohe Sonnenmauer verlassen. Viel mehr noch ist geschehen. Lisa Berg, die strenge Richterin, ließ Gnade walten. Somit darf er wieder Gottbier trinken in jeder gewünschten Menge. Auch das Amt als Leiter der Geistlichen Hütte darf er wieder ausüben. Deswegen feiern wir das Ende von Theophils Verbannung mit einem großen Fest. Die Pirmasenser Kolonie schmückt alle Bäume, Sträucher und Hütten bunt. Dazu erklingt und musiziert das schöne Leben. Wiewohl die Männer besonders an diesen Tagen dem Glück der Frauen dienen und nach Kräften ihre Wünsche erfüllen.

Durch den Strecktalpark zur Sonnenmauer

Doch vor dem großen Fest wanderten wir zu Ehren Theophils durch den Strecktalpark bis zum Ort seiner Verbannung. Dafür sind wir hin, um ihn abzuholen. Schließlich ist es diese Stadt, die wir als erste im Namen Gottes von der Tyrannei und Willkür des Besitzes und der Gier befreiten. Von Pirmasens aus schreiten wir Seit an Seit immer weiter bis ins Gottesreich.

Darum kämpfen wir tagaus tagein. Delume aus Togo, Ester Berlin aus Berlin und ich, der Fetthans Pirmasens vom Horeb – dafür sind wir von Gott ausersehen. Doch nun wollen wir nun trefflich feiern. Damit der Segen des Gottbiers ungehindert in uns wirken kann.

Theophil gewährt allen Asyl

Wiewohl sind in der Pirmasenser Kolonie Äpfel, Birnen, Mirabellen und Zwetschgen verblüht. Auch der Flieder hat seine rosa und weiß duftenden Blätter bereits abgeworfen. Dennoch ist die Kraft des Lebens und der Liebe überall dort zu spüren, wo unsere Hütten stehen und wo abends zum gesegneten Gottbier sommerlich die Grillen zirpen.

Obgleich wir noch eine Weile und ohne Ungeduld vor der hohen Sonnenmauer warten, wissen wir, dass Theophils Verbannung keine Gitter hatte. Nur das Urteil hielt ihn fest, und der feste Wille, weiterhin der Kolonie und der einen Gott zu dienen. Auch dafür ehren wir Theophil Meisterberg, dass er trotz des schweren Jochs der Entbehrungen zu Gottes Herrschaft und der Pirmasenser Kolonie steht.

Dann sehe ich ihn. Aus dem dunklen Schatten des Mauerwerks tritt Theophil hervor. Anfänglich noch ein leichtes Zögern, nicht länger als Esters Wimpernschlag. Dann rennen Ester und Delume auf Theophil zu und schließen ihn in die Arme. Delume, der junge Mann aus Afrika mag gar nicht von unserem Pfarrer lassen. Schließlich war es Theophil, der für Delume und seine Familie unsere Tore zum Asyl öffnete und ihnen einen Unterschlupf gewährte.Theophil machte das möglich, was die Gesetze der Bundesrepublik verbieten.

Delume, ein junger Afrikaner und Partisan

Nachdem die Republik auf Drängen der Nationalisten und Rassisten die jungen Afrikaner gewaltsam Abschieben wollte, öffnete Theophil den Schutz der Pirmasenser Kolonie. Jedoch ist Delume nicht nur ein nach Gottes Geboten Schutzbedürftiger, sondern ein getaufter Auserwählter und Mitglied der Kolonie.

Dort suchte sich Delume seine Aufgabe, Er fand sie an der Seite des Scharfschützen. Als dessen Unteroffizier und Partisan arbeitet er die Liste mit den Namen jener ab, die ihn eben noch einsperren und abschieben wollten. Das sind die Namen derer, die sein Land ruinierten und seine Familie bis aufs Blut ausbeuten.

Theophils erste Frage: Wo ist das Gottbier?

Weil jedoch Gott gnädig ist, erlaubt Delume sogar den übelsten Figuren der Republik, zwischen Umkehr, Verbannung und Krieg zu wählen. Doch heute, an diesem Jubeltag, wird nicht gekämpft, sondern gefeiert. Denn Pfarrer Theophil Meisterberg ist nach vierwöchiger Verbannung zurück in der Kolonie. Seine erste Frage in Freiheit: „Wo ist das Gottbier?“

Bericht: Fetthans
Digitales Bild: Fetthans

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