Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Verbannung: Theophil auf der Sonnenmauer

Die Verbannung auf die Sonnenmauer zwingt Pfarrer Theophil Meisterberg dazu, sich seinen Ängsten und Fluchtgedanken zu stellen.
Theophil Meisterberg kommt zum Nachdenken und zur Besinnung an der Sonnenmauer.

Dieser Flüchtling kehrt zurück in die Kolonie. Zurück nach Pirmasens. Zurück ins Amt. Dieser Flüchtling bin ich, Theophil Meisterberg. Anders ausgedrückt: Unsere große Vorsitzende hat mich begnadigt. Aber nein, an Flucht dachte ich keine einzige Sekunde dieser vier langen Wochen der Verbannung. Obwohl die Tage ohne Gottbier, ohne meine Freunde und vor allem ohne meine Aufgabe in qualvoller Weise langsam und zäh verrannen. Trotzdem bin ich selbst unter der fürchterlichsten Langeweile nicht geflohen.

Einsamkeit erzwingt das Nachdenken

Dennoch war die Zeit auf der Sonnenmauer keineswegs nur bloßes Warten. Es war auch Strafe. Nämlich der Zwang zur Selbstbesinnung. Denn dort oben war mir der Alltag mit allen mir vertrauten Dingen und Menschen entrissen. Tablet-PC, Handy, Bücher und die ganze Fotografie musste ich entsagen. Gespräche, Feiern und Gottbier trinken – all das blieb in der Geistlichen Hütte, als mich die Wächterinnen packten und zur Sonnenmauer brachten. Dort saß ich dann. Einsam ganz oben, immer zu mit Blick zum Horizont.

Aber selbst der Blick zum Horizont gelang mich nicht immer. Oft wollte ich meine Augen zum Himmel wenden, doch es ergriff mich eine tiefe Furcht. Geradezu erstarrt vor Angst saß ich dann von innen eingeklammert auf dem kahlen Boden vor den blanken Wänden. Da diese nichts anderes erlaubten als die abendliche Sonnenschau, wartete ich bis die Angst vorüber ging.

Die Qual der ersten Tage

Des gewohnten Alltags und seiner Umgebung verlustig zu gehen, bedeutet in der Verbannung, einzig in der Sehnsucht harren. Wie sehr wünschte ich mir, die Zeit des Wartens möge bald vorüber gehen. Doch dieses Wünschen und Wollen ohne Können wurde mir schnell zu Qual. Genauso saß ich da. Als ein wollende