Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Zweibrücken: Wie wir die Heimat lieben!

Die Innenstadt der Pfälzischen Stadt Zweibrücken in der Adventszeit 2017.
Pfarrer Theophil Meisterberg zweifelt an der Echtheit dieses Bildes.

Zweibrücken – Wie wir die Heimat lieben!“ So nennt der Scharfschütze sein jüngst fotografisches Werk. In einem einzigen Schnappschuss aus der Handy-Kamera porträtiert der Meisterfotograf die pfälzische Kleinstadt. Sooft er zielt, sooft trifft er auch.

Zielsicher erschuf der Scharfschütze diese geniale Momentaufnahme eines unwiederholbaren Geschehens. Ohne diesen spontanen Schuss wäre diese magische Szene unweigerlich der Vergessenheit anheim gefallen. Doch so hielt er diesen einzigartigen Augenblick an diesem Morgen für die Ewigkeit fest.

Hör auf, hör auf! Fetthans, mach‘ Schluss mit der Schwärmerei! Das hier ist keine Fotografie. Obwohl sie vorgibt, eine zu sein. Das hier ist bloß eine billige Computergrafik.“

Theophil Meisterberg über das Bild „Zweibrücken – Wie wir die Heimat lieben!“.

Ein Heißluft-Ballon schwebt über Zweibrücken

Theophil Meisterberg schleudert seine Zweifel zwischen meine Gedanken. Er grätscht mir regelrecht dazwischen. Infolgedessen stolpere ich, verhake mich an dem Wort „bloß“. Denn dieses böse, kleine Wort behauptet schließlich, dass der digitale Schnappschuss nichts wert sei. Jedenfalls sei die Aufnahme von weit geringerem Wert als ein analoges Bild.

Das will er mit „bloß“ ja sagen. Dabei hätte er auch nur“ sagen können. Als deutliche Abwertung gegenüber dem Anderen. Ja, ich denke nach, grüble sogar. Bis ich darauf komme, warum Theophil dieses Bild abwertet.

Was ist der Unterschied, ob die Wirklichkeit ihre Spuren in Farben, Blickwinkel und Größenverhältnissen in die Fotochemie eines Kleinbildfilms zeichnet, oder ob sie im elektronischen Bildsensor eines iPhones zu einem Bild verrechnet wird? Aufnahmetechnik, Stil und die Möglichkeit der Manipulation. Klar, da sind Welten dazwischen. Aber die Qualität des künstlerischen Ausdrucks wird nicht von diesen Unterschieden bestimmt.

Theophil verkleidet einfach nur seine Verachtung für die Person des Scharfschützen als Kritik an dessen Werk. Sicherlich ist der Scharfschütze nicht besonders sympathisch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Mann als Söldner und Auftragskiller bereits mehr als 800 Leute erschossen hat. Und das auch noch aus dem Hinterhalt.

Ein Pferd trifft den Osterhasen in Begleitung zweier Ziegen

Theophil zetert weiter: „Es gibt keine digitale Fotografie. Schließlich liegen die Worte ,digital‘ und ,Fotografie‘ im unversöhnlichen Krieg gegeneinander. Eine Fotografie ist der Papierabzug eines Negativs. Das kannst du in die Hand nehmen. Dieses hier besteht lediglich aus Daten. Aus errechneten Leuchtpunkten auf dem Monitor. Und die verändern sich auch noch mit jeder Kopie. Eine Zeichnung aus dem Licht des Adventmorgens soll dies angeblich es sein. Aber dieses digitale Bild könnte in Wahrheit aus einem Animationsprogramm stammen. Und zwar ohne dass es eine Belichtung an diesem Tag, Uhrzeit und Ort gegeben hat.“

Pfarrer Theophil Meisterberg über die digitale Fotografie.

Ach Theophil! Siehst du denn nicht die Häuser, die Geschäfte, die Tiere und die Menschen? Erkennst du nicht das pulsierende Leben auf diesem Bild aus Zweibrücken?“ Ich muss ihm diese Frage stellen. Denn er könnte über dem Studium seiner philosophischen Bücher blind geworden sein. Diese Blindheit geht meist mit einer gewissen Realitätsverweigerung einher. Insofern würde das passen. Denn Theophil stellt sich jeder Neuerung stur wie ein Bock entgegen.

Ein Widerstandskämpfer mit Flinte

Doch meine Einwände zählen bei ihm nicht. Der geistliche Leiter zetert weiter mit aller Vehemenz weiter gegen die digitale Fotografie. Theophil doziert: „Ein Künstler drückt in seinem Werk die Beziehung seines Ich zur Welt aus. Die Kunst kombiniert Farben und Formen nach ihrer Fantasie. Diese Grafik hier ist der Auswurf eines Computer-Programms. Das Bild ist von Ingenieuren und Technikern erdacht und in Einsen und Nullen geschrieben. Dabei haben die Programmierer eine Beziehung zum Computer. Aber niemals zu einer Stadt wie Zweibrücken. Diese Grafik ist komp