Social fiction um Macht, Intrigen, Freundschaft und Liebe. Von Klaus Wirth

Empörung: Hunde-Tommy wird zornig

Empörung über ein fliegendes Kuvert
Das fliegende Kuvert

Was die Empörung weckt? Das hier. Wie Claude Otisse die Frau in Büro-Uniform empfing. Der Vorstadthügel mit welkem Löwenzahn, mit Claude Otisse auf seiner sonnigen Liege, gebeugt quer auf dem Möbel sitzend, fast reglos und ohne Gruß. Aber mit der Gottbierflasche in der Hand. Diese gleichwohl am gläsernen Halse fassend im Kreise bewegend. So begrüßte er diese Frau an jenem sonnigen Tag im April.

Ein geheimnisvolles Kuvert

Was hat sie Claude Otisse gebracht? Was hat sie ihm gegeben, diese geheimnisvolle Frau? Aus der Ferne vermochte ich das natürlich nicht so genau erkennen. Doch soviel kann ich dennoch sagen, um dies zu erkennen waren meine Augen nahe genug. Es war wohl ein schriftliches, auf Papier gedrucktes Dokument. Von einiger Bedeutung, einer bestimmten, jedoch mir unbekannten Wichtigkeit. Denn die Frau hielt es mehrmals hoch, tippte mit dem ausgestreckten Zeigefinger darauf und steckte es anschließend langsam und respektvoller Sorgfalt in ein hell weißes Kuvert.

Hingegen Otisse? Genauso wie er auf seiner schmutzigen Liege über dem verdorrten Löwenzahn-Acker sitzen blieb, während die geheimnisvolle Frau sich näherte, behielt Otisse weiter die Gottbierflasche in der Hand. Nebenbei nippte er daran, bevor er den weißen Umschlag mit der linken Hand entgegen nahm und sogleich beiseite legte. Geradeso, als sei das Kuvert nicht mehr als ein billiges Werbeblättchen von Restpostenmarkt. Ein Etablissement. von dem Otisse meinte, er werde von Schlechtmenschen betrieben. Otisse meint, dass sie dort Produkte von Sklavenfabriken aus allen Erdteilen verramschen.

Wo wohnt die Empörung?

Nachdem die geheimnisvolle Frau das Kuvert an Otisse überreicht hatte, hob sie ihre Tasche vom welken Boden, schwang sie am breiten Riemen über die rechte Schulter. Anschließend stapfte sie davon. Ich glaubte, an ihrer Haltung, an ihren Bewegungen und letztlich an ihrem forschen Schritt eine Empörung wahrzunehmen.

Oder war es meine eigene Empörung? Sah ich meinen Zorn in diese geheimnisvolle Frau hinein? War es mein moralisches Empfinden, das ich in sie hinein projizierte, sowie man ein Bild mit einem Beamer an eine Wand wirft?

Ich, der ich mich für einen moralisch fühlenden und denkenden Menschen halte, ertrage es kaum, wenn mich jemand nicht ernst, nicht für vollwertig nimmt. So wie es Otisse  mit dieser Frau tat.

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